Here I am, zurück in Deutschland.

Seit nun fast einem Monat bin ich wieder zuhause.

Wie geht es mir? Wie geht es mir so kurz nach dieser wohl größten und wichtigsten Entscheidung für mich?

Überwiegend bin ich unheimlich glücklich und freue mich wieder hier zu sein. Es ist so schön meine Liebsten wieder um mich zu haben und es fühlt sich noch immer richtig an. 

Und doch kommen zwischendurch Momente und Gefühle in mir hoch, die mich in kleine Angstmomente bringen und mich zweifeln lassen.

Am Besten kann ich meine Situation momentan wohl mit dem Beenden einer langjährigen, oder intensiven Beziehung vergleichen. Denn man fühlt sich ein bisschen so, wie in der Anfangszeit gerade nach der Trennung.

Man weiß es ist das Beste und der richtige Schritt, denn man hat es sich mehr oder weniger gut überlegt und zumindest weitermachen ist keine Option. Und dennoch tut es weh. Und so denkt man sich:

´Alles klar… Es tut weh, Ich bin traurig, ich bin enttäuscht, ich bin müde vom Kampf der letzten Wochen und bin vielleicht sogar an der ein oder anderen Stelle noch immer böse über den Verlauf mancher Dinge, die mir einfach missfallen. Aber überwiegend, bin ich einfach nur sau traurig und enttäuscht, denn hey, es war doch so anders geplant! Ich habe gedacht, das ist es. Ich hab so viel Potenzial gesehen und ich dachte ich täusch mich nicht. Und das schmerzt.´

Ja, am schlimmsten für das Herz, ist wohl der Schmerz der Enttäuschung. 

´Aber all good, ich wollte es so, es ist der richtige Schritt and I´ll get over it. Denn ich bin erwachsen und so ist das Leben. Nicht immer easy und angenehm, oder wie wir es uns wünschen und vor allem vorgestellt haben. Aber es wird schon das Beste für mich sein, also Augen zu und durch!´

Zumindest sagt das der Kopf, das rationale Denken.

 

Genau so, nur noch 10x mal intensiver empfinde ich diese Situation zur Zeit, in der man permanent hin und hergerissen ist, zwischen Gefühlen, Kopf, Herz und Verstand.

In der man so viel denkt und empfindet und dadurch ein absolutes Chaos in einem entsteht, weil sich all diese Gefühle und Gedanken ungefragt und 24/7 ausdrücken wollen. Und dabei keinen Wert darauf legen ob, wann und wie oft man damit überhaupt konfrontiert werden will.

Sie wollen raus und sie wollen gehört werden und am Besten alle gleichzeitig.

Wie eine Gruppe kleiner Vorschulkinder, die lieber reinrufen und sich lautstark bemerkbar machen, um Aufmerksamkeit und das Wort zu bekommen, statt abzuwarten und sich ruhig zu verhalten, bis sie  tatsächlich dran genommen werden.

Ja, das ist wohl ein gutes Bespiel dafür wie es aktuell in mir aussieht, laut und chaotisch.

Man trägt unfassbar viele Gedanken und Gefühle in sich, die permanent da sind und gehört werden wollen. Mal lauter mal leiser, mal kürzer, mal länger, mal positiver, mal negativer, aber immer da. 

Mit einem Richter im Schlepptau der sich zur Aufgabe gesetzt hat, jede/n einzelne/n dieser Emotionen und Gedanken zu kommentieren, zu beurteilen und einzuordnen, als gut oder schlecht. 

Nur leider hat dieser Richter keine Beständigkeit und ist nicht neutral genug, um ein zufriedenstellendes, friedvolles und gutes Urteil zu fällen. 

Denn dieser Richter ist mein Ego und handelt tagesformabhängig und immer so wie er meint.  Mal ist er klar und bewusst über gut und schlecht und mal wie ein Fähnchen im Winde. Das sich in seiner Meinung und seinem Urteil von jeder noch so kleine Empfindung und jedem noch so kurzen Gedanken verunsichern und beeinflussen lässt.

Vor knapp einem Monat habe ich mich dazu entschieden zurück nachhause zu kommen und meinen Traum, in Australien zu leben und zu arbeiten, nach nur kurzer Zeit aufzugeben und loszulassen. 

Um meinem Herzen zu folgen und das zu tun, was sich richtig anfühlte.  Um der Stimme zu folgen, die mir schon vor ein paar Monaten, noch leise flüsternd, gesagt hatte das sei gerade nicht mein Weg und ich solle noch zuhause bleiben. Die nun, wo ich sie so lang bewusst überhört hatte, immer lauter wurde. Bis ich sie irgendwann nicht mehr überhören konnte und ihr endlich die Beachtung schenkte, die sie die ganze Zeit eingefordert hatte.

„Folge deinem Herzen und deiner Intuition, sie wissen bereits was richtig für dich ist.“

Manchmal wollen wir auf diese Stimme, durch die sich unsere Intuition bemerkbar macht nicht hören, weil wir meinen es besser zu wissen. Obwohl wir insgeheim bereits wissen, dass es falsch ist. Weil sie, wie auch immer sie es macht, immer Recht hat. 

Aber davon will das Ego nichts wissen. Und da es ziemlich gut darin ist sich groß aufzubauen und sich die Aufmerksamkeit einzuholen, die es zu verdienen meint, lassen wir uns voll und ganz von ihm einnehmen. Und überhören oder missachten, teilweise sogar gern, das was uns unterbewusst eigentlich ganz klar ist. Um zu tun, was unser Ego sich für uns wünscht.

Wir wollen glauben was das Ego sagt, weil es leichter ist eine Maske zu tragen von der wir meinen, dass sie uns schöner aussehen lässt. Als sich der Angst vor der Wahrheit zu stellen, die unsere Intuition stattdessen für uns bereit hält. Da wir denken, dass sie uns hässlicher aussehen lassen könnte als wir zu verdienen meinen.

 

Und immer erst im Nachhinein verstehen wir, dass Authentizität schöner ist als jede Maske je sein könnte.

Mein Ego war groß, um nicht zu sagen riesig!

Schließlich war all das 7 Jahre lang mein größter Traum. Der Traum, der irgendwann so ein großer Teil von mir wurde, dass ich anfing mich mit ihm zu identifiziere und schließlich zu definieren.

So ist der Mensch. Wir definieren uns durch die unterschiedlichsten Dinge in unserem Leben.

Durch unsere Vergangenheit und alte Glaubensmuster, unseren Beruf, die Freunde und Familie, durch unsere Normen und Werte. All diese Einflüsse tragen mehr oder weniger dazu bei, dass wir ein Bild von uns und unserer Identität schaffen.

Im Herzen wissen wir alle, dass wir mehr als das sind. Aber es hilft uns, uns einzuordnen und unserer Seele ein Gesicht zu geben.

Denn wer sind wir ohne diese Einflüsse? Wer sind wir, wenn all das wegfällt? Wer ist dann der Mensch, der uns jeden Morgen im Spiegel anblickt ? Was macht Dich dann aus? Dich als Individuum. Frei von all den alten Glaubensmustern, den Einflüssen und festverankerten Vorstellung wie du zu sein hast?

Meist wissen wir es nicht, weil wir uns nur selten oder nie damit befasst haben.

Genauso war es bei mir auch.

Sieben Jahre lang, habe ich mich über meinen Traum definiert. War Fary ´the Aussi-girl. Ich war die, die den großen Traum hatte nach Sydney zu ziehen, in das für mich schönste Land der Welt. Die, die irgendwann den Mut aufbringen würde ihrem Herzen zu folgen, um ein außergewöhnliches Leben zu erschaffen.

Um das Leben zu erschaffen, was ich mir so lang nur erträumt hab.  Leben am Strand, leben da wo andere Urlaub machen. Ein Lifestyle der so locker, relaxed, cool und easy ist wie nirgends sonst.  Gepaart mit Glück, Freude, Spaß und Liebe. 

Ja, all das habe ich in der Erfüllung meines Traums gesehen.

Und dabei habe ich alles außer acht gelassen, was ich wirklich bin. Was jetzt schon ist und nicht erst mit der gewünschten Erfüllung meiner Zukunft kommt.

Und genau darin liegt wohl gerade das Problem. Genau das ist es nämlich, was es mir zur Zeit so schwer macht einfach einen Haken zu setzen als ´Konto Lebenserfahrung´. 

Denn, wer bin ich jetzt noch?

Und was hat mich, unter Berücksichtigung all dessen, dazu bewogen nach nur zwei Monaten meine 7 Sachen zu schnappen und zurück nachhause zu kommen. Wenn genau das doch alles war, was ich immer wollte und immer zu sein meinte?

So lang habe ich das ganze in meinem Kopf gehabt, so lang dafür gearbeitet, alles gegeben und so viel getan.

Wieso habe ich nicht ´durchgehalten´ und weiter gemacht? Schließlich ist doch klar, dass die Dinge nicht immer laufen wie geplant, denn aller Anfang ist schwer, richtig? Augen zu und durch! Weiter machen, nicht nachdenken, kämpfen, stark bleiben und durchhalten, auf bessere Zeiten warten und bis dahin das Beste draus machen.

Oh wie sehr ich versucht habe mich genau daran zu halten. Ja, zwingen wollte ich mich fast schon, um das Ideal meines jahrelang gehegten Traums nicht hinterfragen zu müssen.  Um weiter dran festzuhalten, an meiner Idee. Der Idee von dem besseren, schöneren, tolleren Leben Down Under. Nur um nicht zugeben zu müssen, dass sie nicht mehr mit mir resonierte.

„Je größer die Erkenntnis desto kleiner das Ego, je größer das Ego desto kleiner die Erkenntnis.“

Wenn du meinen letzten Beitrag gelesen hast, oder meine Videos schaust und meinen Start in Sydney verfolgt hast, weißt du bereits, dass ich mich anfangs schwerer getan habe als erwartet. Denn es wurden mir Steine in den Weg gelegt, mit denen ich nicht gerechnet habe und dementsprechend überfordert und herausgefordert war.

Man kann planen. Man kann sogar eine ganze Menge planen, wie, was und wie viel man auch will. Aber manchmal hat das Leben seine ganz eigenen Pläne, die in eine ganz andere Richtung gehen als gedacht. Und dann gilt es sich entsprechend anzupassen und das Beste draus zu machen. Denn alte Lösungsansätze, all der zuvor so gut bedachten möglichen Probleme, greifen dann nicht mehr.

Und ich habe gekämpft. So sehr, dass ich mehr als an meine eigenen Grenzen gestoßen bin. Ich habe viele Dinge eingesteckt und bin immer wieder aufgestanden, denn so bin ich eben.  Ich hab wohl ein größeres Ego als mir oft gut tut. Bevor ich mein Gesicht in einer Sache verlieren, muss wirklich einiges passieren.

Das ist nicht immer positiv, aber genau dadurch habe ich in meinem Leben auch schon so viel geschafft und auf die Beine gestellt, was mir anders gar nicht möglich gewesen wäre. Weil mir das Durchhaltevermögen und der Ehrgeiz gefehlt hätten.

Und deshalb fiel es mir auch dieses Mal so unfassbar schwer mir selbst einzugestehen, ´Fary it´s over´…

 

Its over and that’s more than ok!

Ich wollte es so sehr, ich wollte es mir und anderen so sehr beweisen und wollte daher allen und mir selbst zeigen, dass ich es kann.

Ich war so eingenommen und überzeugt von meiner Idee und dem Bild was ich von ihr hatte. Ich war so drauf eingefahren, dass es so und nicht anders zu sein hat! So wie ich es mir vorgestellt hab, so wie ich es so lang wollte, dass alles andere gar nicht in Frage kam!

Ich wollte meinen Kopf durchsetzen, während mein Herz immer wieder zu mir flüsterte, um mir zu sagen was ich längst wusste.

´Go home, it´s not meant to be yet.´

Mein Gefühl sagte mir klar und deutlich, das nichts aber auch gar nichts hier zusammen passte für mich. Das meine Idee ja toll sei, aber dies gerade nicht mein Weg. Und das es daher manchmal besser ist loszulassen, als sich komplett in einer Sache zu verlieren, nur um seinen eigenen Stolz zu wahren.

Auf der einen Seite stand dann also meine Erkenntnis und die Klarheit darüber, dass ich nicht glücklich werde, wenn ich dennoch weiter mache wie geplant. Und auf der anderen war da immer noch dieses wunderschöne Land, dessen Lifestyle, Menschen und Natur ich ja immer noch so sehr liebte! Denn meine Erkenntnisse und Werte, die ich neu geschöpft hatte, hatten ja nichts an meiner Liebe zu Australien geändert. 

Ich hoffe du kannst mir noch folgen…

Es war nicht mehr mein Weg und dennoch liebe ich das Land und Leute nach wie und immer noch!

Und dann steht man da und soll eine Entscheidung treffen und wissen, was genau jetzt das Richtige ist.

Den Kopf entscheiden lassen und die Liebe aufrecht erhalten, in der Hoffnung das Gefühl kommt schon wieder irgendwann und eines Tages. Oder der leisen Stimme des Herzens horchen, die einem sagt:

´Ich weiß es ist nicht logisch. Aber vertraue mir und tue es trotzdem, denn es ist das Richtige für dich.´

Und es machte logisch gesehen keinen Sinn. Alles dafür getan, so viel gespart, so viel Zeit und Mühe investiert, über Monate alles in Bewegung gesetzt und es über Jahre so sehr gewollt! Und dort unten ja noch immer die Liebe zum Land gespürt, den Lifestyle und das Land so geliebt, mit der Aussicht, es wird besser irgendwann. Es wird.

Doch es war nicht mehr meins. Nicht so, nicht jetzt.

Es ist verdammt hart und schwer etwas loszulassen, das man so sehr liebt. Und dabei ist es egal, ob es ein jahrelang gehegter Traum ist, die Schulliebe, die man doch eigentlich heiraten wollte oder der rote Flitzer, den man schweren Herzens gegen die neue Familienkutsche eintauscht.

Loslassen tut weh, immer!

Denn man lässt damit ja immer auch einen Teil von sich selbst los.

Einen Lebensabschnitt, eine Hoffnung, einen Traum, eine Vorstellung, eine Lebensweise, ein Teil von dem, was deine Seele irgendwann mal hat strahlen lassen. Was dich glücklich gemacht und vielleicht sogar erfüllt hat.

Und das ist schmerzvoll, weil es immer auch wie eine kleine Beerdigung ist. Bei der man Goodbye sagen muss, ob gewollt oder ungewollt, und weiß, so wie es war wird es nie mehr werden. Es war wunderbar, ich habe es geliebt und jetzt wird es nie wieder so sein.

Wir alle kennen das. Und es tut meist so weh, weil wir im Gegenzug oft nicht wissen, was wir stattdessen bekommen.

Ob sich dadurch eine Türe öffnet die wir nie in Betracht gezogen haben, aber die alles ist was wir immer wollten!

Ob wir plötzlich frei für eine neue Partnerschaft sind, die nicht die alte ist, aber dafür alles und noch so viel mehr!

Oder ob die neue Familienkutsche auch einen Lebensabschnitt mit sich bringt, der durch Ausflüge und Kinderlachen, so viel mehr Wärme, Liebe und Freude in dein Leben bringt wie kein rote Flitzer es je gekonnt hätte.

Das wissen wir nicht und das macht uns Angst. Angst vor dem Verlust dessen was wir einst liebten, im Tausch gegen etwas was schön werden kann aber ooooh auch so schrecklich ! Viel schrecklicher als wir wohlmöglich verdienen.

„ What if I fall? Oh but darling, what if you fly!“

Ich bin viel am Trauern. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde nach meiner Entscheidung wurde alles besser. Das wurde es nicht und wird es auch eine Weile nicht sein. Denn ich denke, es war nicht das Weggehen was so schwer war, es ist das Zurückkommen. 

 

Jetzt gerade hier zu sein, auch wenn es das Richtige ist, ist wohl das schwerste zur Zeit für mich. Denn ich habe vieles hinter mir gelassen, was mir so viel bedeutet hat und ich habe keine Ahnung, was ich im Gegenzug bekomme…Mal wieder.

Ich denke oft an Australien und hinterfrage viel, eben weil so vieles hier ungewiss ist. Es wäre einfacher gewesen einen falschen Weg zugehen, dessen Richtung man bereits kennt, als einen völlig neuen einzuschlagen, der ungeplant war und absolut ungewiss ist.

Ich habe keine Ahnung wie es nun weitergeht und wer ich gerade bin oder sein möchte, Ich weiß nicht wo die Reise hingeht und habe vor allem keine Ahnung ob es gut wird. 

Ich weiß nur das ich darauf vertraue, dass es schon wird. Und ich weiß, dass ich diese Aufgabe nicht bekommen hätte, wenn ich sie nicht meistern könnte.

„Das Leben ist immer für dich.“

Und wie war das noch mit den Zitronen ?

Ich versuche da jetzt mal Lemonade draus zu machen. Und dann schauen wir mal, was 2019 alles für mich bereit hält.

So viel steht fest, es wird nicht langweilig!

Farina x