Das Reisen ist meine Leidenschaft. Alleine sein kann ich auch und da sich für so ein Abenteuer in der Regel keiner findet, der sowas ernsthaft mitgehen würde, habe ich 2017 entschieden alleine auf „Weltreise“ zu gehen. 

Ich kann mich noch an die Reaktionen erinnern.

„Wie du machst das alleine? Ne also das könnte ich nicht. Das ist doch bestimmt gefährlich, hast du denn keine Angst?“

Naja Grundsätzlich würde ich mich jetzt nicht als ängstlichen Menschen beschreiben und gefährlich kann es hier auch sein. Meine Antwort war auch eigentlich immer nur:

„Naja, schlimme Sachen passieren hier auch und alleine ist man beim Reisen nie, wenn man nicht will“.

Gut, vielleicht ist es mit der Sicherheit in Südamerika schon etwas anders bestellt als bei uns in Deutschland, das möchte ich nicht abstreiten. Aber sich nur, aus Angst das etwas passieren kann, so ein Erlebnis entgehen lassen? Kam für mich nicht in Frage. 

Also bin ich los gezogen.

Der Weg zum Sicherheitscheck war dann schon komisch. Sich für unbestimmte Zeit von der Familie zu verabschieden, ist auch für mich, nicht übermäßig emotionalem Menschen, nicht ganz einfach.

Die ersten Tage waren etwas komisch, man musste sich erstmal an die Situation gewöhnen. Nach knapp einem Monat „Familienauszeit“ (meine Cousine und mein Cousin waren zu der Zeit auch in Kanada und so haben wir ca. einen Monat zusammen verbracht), ging es dann los. Die Jobsuche gestaltete sich erstmal schwieriger als gedacht und ich war schon kurz davor mein Jahresvisum sausen zu lassen und weiter zu reisen. 

Es ist also nicht immer einfach. Wenn man sich auf den Weg zu so einer Reise macht, weiß man vorher das es Zeiten gibt, wo es nicht leicht ist und man sich vielleicht fragt;

 „Okay, was zur Hölle mache ich hier? Wieso bin ich nicht Zuhause geblieben wo ich weiß wo alles ist, wo ich meinen sicheren Job habe und meine Familie und Freunde die mich unterstützen können“.

Klar habe ich auch das manchmal gedacht, allerdings eher selten. 

Für diese Reise habe ich knapp anderthalb Jahre gespart und mir kam, auch in den schwierigen Zeiten, nie in den Sinn nach Hause zu gehen. 

Während den ersten Monaten in Kanada, wo es nicht so nach Plan lief, hatte ich zwar den Gedanken Kanada wieder zu verlassen, aber nach Hause gehen war nie eine Option. Nicht weil ich es irgendwem beweisen wollte, denn ich habe nie gesagt wie lange ich weg bleiben würde.

Was denn zum Beispiel, wenn ich losgeflogen wäre und nach kurzer Zeit festgestellt hätte, das war alles nur Wunschdenken und das ganze alleine Reisen, ist doch gar nicht mein Ding, ich fliege lieber in den Urlaub.

Gut, sehr wahrscheinlich war dieser Fall nicht, aber wirklich wissen tut man es vorher nicht. 

Also habe ich zu der Zeit Vorbereitungen getroffen, um Kanada zu verlassen und weiter zu ziehen. Und kaum hatte ich die Vorbereitungen getroffen, ergab sich Job-mäßig etwas in Kanada, was mir gut gefallen hat. Dort hatte ich eine wirklich wirklich coole Zeit. Danach war alles einfach. 

Zwar hatte ich nie wirklich einen Plan, aber irgendwie hat sich immer alles ergeben und ich habe einfach mein Leben und diese Zeit genossen. 

Auch in den etwas unsicheren Gebieten hatte ich nie Angst. Klar passt man etwas besser auf seine Sachen und sich selbst auf, aber das hat mich nie davon abgehalten diese wundervollen Länder zu genießen.

Tatsächlich würde mir nicht eine Sachen einfallen, die mir negativ in Erinnerung geblieben ist, wo ich sagen würde; Okay, da muss ich nicht nochmal hin.

Okay, mit Ausnahme von dem Wetter in Ecuador, aber vielleicht war ich einfach zu falschen Zeit dort. 

Nach ca. einem Jahr bin ich dann in Chile angekommen und brauchte ein wenig Zeit für die Eingewöhnungsphase. In dieser Zeit hab ich ein paar Mal gedacht, okay jetzt ist es Zeit nach Hause zu gehen.

Allerdings war das im September und zum Winter hin nach Hause zu kommen war für mich nicht drin. Der Winter in Kanada war so krass, dass ich unbedingt einen Winter im warmen verbringen wollte. Also bin ich geblieben und hatte so eine mega spannende und coole Zeit. Ich habe Spanisch gelernt, konnte jeden Tag ausreiten und meine Arbeit hat mir wirklich viel Spaß gemacht (auch wenn es manchmal etwas viel und etwas unkoordiniert war).

Die Gelegenheit kostenlos auf Mehrtagesritte durch die Anden zu gehen und unter dem traumhaften Sternenhimmel Chiles zu schlafen, hat man ja auch nicht jeden Tag. 

Anden, Chile

Die letzten 4 Monate gingen um wie im Flug. Ab dem Zeitpunkt wo der Rückflug gebucht war, wurde ich von Tag zu Tag unruhiger. 

Es ging mir so verdammt gut und ich wollte eigentlich noch nicht nach Hause, aber für den runden Geburtstag meines Papas bin ich dann nach einem Jahr und 8 Monaten, als Überraschungsgast, nach Hause gekommen. 

Seit dem bin ich in der Findungsphase und weiß einfach nicht was ich will.

Irgendwie fällt es mir hier nicht so leicht entspannt an alles ran zu gehen und der Sache einfach ihren Lauf zu lassen. Das hat zwar im Ausland immer hervorragend geklappt, aber hier kriege ich das einfach nicht hin. 

Während der Reise habe ich so viele super liebe und interessante Menschen kennengelernt, mit denen ich normalerweise vielleicht gar nicht in Kontakt gekommen wäre. Dafür bin ich super Dankbar.  

In der ganzen Zeit, und auch jetzt, habe ich noch nicht eine einzige Sekunde bereut, dass ich damals gekündigt habe und gegangen bin.

Ich weiß noch, als ich in Peru auf der Hochebene zwischen den Wilden Alpaccas stand und gedacht habe wie unwirklich das alles einfach ist.

So wahnsinnig schöne Natur, dass man sich gar nicht satt sehen kann.

Die türkisen Seen in Kanada, die unendliche Weite in Alaska, die wilden Bären, Elche und was man sonst noch sieht. Der Sternenhimmel über Chile, die Berglandschaften,  die größte Salzpfanne der Erde in Bolivien, wilde Flamingos, der Titicacasee und Machu Picchu in Peru.

Rote Lagune, Bolivien 

Peyto Lake, Kanada

Machu Picchu, Peru

Yukon, Kanada

Sternenhimmel Chile

So viele unglaubliche Sachen habe ich gesehen. Für mich war das zu dem Zeitpunkt irgendwie normal und irgendwie unglaublich zugleich. 

Jedem der überlegt mal Reisen zu gehen, kann ich nur raten das auf jeden Fall zu tun.

Man lernt so viel über sich selbst, über andere Menschen, über andere Kulturen und niemand kann einem das wieder wegnehmen. Es besteht allerdings die Gefahr danach unter Fernweh zu leiden.

Gastbeitrag von Luisa Brakelmann

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