Es ist 4 Uhr morgens. Ich werde wach und bin nach vier Stunden Schlaf definitiv noch zu müde, um erfrischt und voller Power in den Tag zu starten. Insgeheim könnte ich mir gerade selbst in den Hintern beißen, so einen frühen Flug überhaupt gebucht zu haben. Wie kam ich eigentlich dazu?

Nachdem ich geduscht und angezogen bin, meine restlichen Sachen zusammengesucht und eingepackt habe, komme ich nun langsam auch mental im Hier und Jetzt an.

Wir fahren los. Gott sei Dank ist mein Bruder so lieb, mich um diese unmenschliche Zeit zum Flughafen zu bringen. Als wir ankommen realisiere ich dann endlich, dass es heute losgeht. Mein erster Urlaub ganz allein. Nur ich, niemand anderes.

Mein Flug hat direkt Verspätung, sodass ich eine Stunde länger hätte schlafen können. Echt ärgerlich, aber die Aufregung und Abenteuerlust haben mich bereits gepackt. Weshalb ich mich nicht weiter aufregen und mich stattdessen voller Neugier auf die Woche freue, die nun vor mir liegt.

Ich gebe zu, dass ich anfangs nicht sicher war, ob ich mich das traue. Ob ich den Mut habe, mich in den Flieger zu setzen und 7 Tage 24 Stunden lang ganz „allein“, in einem anderen Land zu sein. Wo ich doch sonst auch viel lieber mit meinem Partner oder mit Freunden hinreisen würde.

Aber wie das manchmal so ist, hatte einfach niemand Zeit. Und nachdem die letzten Wochen echt stressig und arbeitsreich waren, kam es mir nicht in den Sinn, deshalb ganz auf Urlaub zu verzichten.

„Echt, ganz allein? Also ich könnte das ja nicht. Ich möchte mich immer mitteilen und brauche den Austausch mit einer anderen Person. Das ist doch auch sicher langweilig. Und was macht man dann den ganzen Tag?“

Diesen und ähnliche Kommentare durfte ich mir vorher natürlich zur Genüge anhören. Und sie haben es mir wirklich nicht leichter gemacht. Im Gegenteil. Meine ohne hin schon stark vorhandene Unsicherheit, breitete sich dadurch immer mehr aus und ich kam mir zwischenzeitlich echt doof vor.

„Mit mir stimmt doch was nicht. Wieso mache ich das hier? Sollte ich nicht lieber zu Hause bleiben und meine freien Tage in gewohnter Umgebung verbringen?“

Ich hatte also keine Ahnung worauf ich mich einlasse. Aber ich wusste, nur so kann ich es herausfinden.

Und jetzt sitze ich hier auf der wunderschönen Terrasse meines Airbnb´s. Es sind 27 Grad, die Sonne scheint und ich bin über glücklich, diese Entscheidung getroffen zu haben. Ich bin stolz auf mich und darauf, mich meiner Angst gestellt zu haben und die verunsichernden Kommentare der anderen nicht weiter an mich herangelassen zu haben.

Denn das hier, ist genau das was ich brauchte. Keine Ablenkung durch andere, keine Kompromisse wann man wie, wo, wann etwas unternimmt oder nicht. Nur ich. Ich und meine Entscheidungen den Tag so zu gestalten, wie ich es mir vorstelle. Und das finde ich jetzt schon toll!

Die folgenden Artikel geben meine Erlebnisse und Erkenntnisse der kommenden Woche wieder. Sie sollen allen, die sich gerade in einer ähnlichen Situation befinden, die Angst vor dem allein Reisen nehmen. Denn allein zu reisen, ist nichts Schlimmes. Nichts wovor man Angst haben, oder wofür man sich schämen muss. Ganz im Gegenteil! Es ist vielmehr eine wunderbare Erfahrung und Möglichkeit, um zu wachsen, sich selbst besser kennenzulernen und sich neu zu erfahren.

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Tag 1
Tag 2
Tag 3
Tag 4 – 6
Tag 7

Fazit:

Alle meine Selbstzweifel, Sorgen und Ängste, haben sich komplett in Luft aufgelöst. Würde ich es also wieder tun und ganz allein in den Urlaub fliegen? Ja, auf jeden Fall!

Ich kann heute sagen, dass es das Beste war, was ich tun konnte. Diese Woche hat mir so unglaublich gutgetan. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich so wohlfühlen werde und die Zeit so genießen kann. Lediglich der erste Tag war kurzfristig etwas schwer für mich. Das war, als ich gemerkt habe, ´Wow ok, jetzt bin ich hier wirklich allein´.

Da kam kurz die Angst in mir hoch. Aber ich habe mich ihr gestellt und gemerkt, dass sie mir nichts anhaben kann, wenn ich sie wahrnehme und mich dann wieder auf das konzentriere wofür ich hier bin. Sonne, Strand, Meer, Spaß und gaaaanz viel ´Fary Zeit´. Die kommenden Tage, habe ich dann einfach nur noch genossen. Ich war selbst überrascht, wie leicht es mir viel, allein essen zu gehen, oder mir Orte und Sehenswürdigkeiten anzuschauen und zu besichtigen. Ich habe nicht einmal das Bedürfnis gehabt mich mitzuteilen, bzw. wenn ich es wollte, dann habe ich es eben über Whatsapp gemacht und habe danach den Moment wieder ganz für mich genossen.

Das tollste am Ganzen Urlaub, waren definitiv meine morgendlichen Läufe am Meer. Es ist so wunderschön aufzustehen, die Laufschuhe anzuziehen, loszulaufen und sich dabei die Sonne auf den Rücken scheinen zu lassen. Die Momente, wenn ich um mich geblickt habe und die wunderschöne Natur um mich herum gesehen habe, waren einfach unbezahlbar! Nach dem Joggen, habe ich mich gern zum Meditieren an den Strand gesetzt und habe im Anschluss einfach nur aufs Meer geblickt und mich gefreut, diesen Moment erleben zu dürfen.

Und wisst ihr was das tollste am Alleinreisen war?

Ich habe all die Eigenschaften an mir wieder entdeckt, die ich sehr schätze, aber die im Alltag zuhause oft untergehen.

Hier bin ich wieder abenteuerlustiger, mutiger und gleichzeitig entspannter geworden. Ich habe mich so viel mehr getraut, als ich es Zuhause tun würde. Ich habe mich all meinen Ängsten gestellt, um zu merken, dass mir nichts passieren kann, wenn ich an mich selbst glaube.

Habe mich auf einen Roller gesetzt und bin einfach losgefahren, ohne zu wissen, wie und wohin. Und wenn ich mir mal selbst nicht weiterhelfen konnte, habe ich eben nach Hilfe gefragt. Die Menschen helfen dir gern, wenn du ihnen freundlich und aufgeschlossen begegnest. Und es ist auch nicht peinlich, oder schlimm um Hilfe zu bitten. Wir sind doch alle nur Menschen und können nun mal nicht alles wissen. Durch die Mithilfe anderer, kommt man immer weiter! Etwas, was einem zuhause oft nicht präsent ist.

Wie schnell und einfach ich Anschluss gefunden habe! Gleich am ersten Tag habe ich Leute getroffen, die ähnliche Interessen wie ich haben. Mit Danielle hatte ich daraufhin einen lustigen Abend, in einer spanischen Bar. Und mit meiner Gastgeberin, habe ich mich so gut verstanden, dass wir zwischendurch etwas unternommen haben. Und ich so den letzten Abend, in einem unheimlich tollen, spanischen Restaurant verbracht habe, welches ich sonst niemals entdeckt hätte.

Das ist es, was das Alleinreisen dir ermöglicht. Es zwingt dich aus deiner Komfortzone und bietet dir dadurch Chancen und Möglichkeiten, die du sonst nie bekommen hättest.

Ich fühle mich nun wieder ganz bei mir angekommen. Diese wunderbare Woche hat mir die Möglichkeit gegeben, mich voll und ganz auf mich zu konzentrieren.

Sich einfach mal nur 24/7 mit sich selbst zu beschäftigen und auf die eigenen Bedürfnisse zu hören, ohne dabei von außen beeinflusst zu werden. Wann hat man das zuletzt gehabt?

Es konnte mich niemand ablenken und ich musste mich nach niemandem richten. Alle Entscheidungen, wie ich z.B. den Tag gestalte, lagen bei mir ganz allein. Ab und an habe ich Paare oder Gruppen beobachtet, wo die Menschen mit leeren Augen durch die Gegend liefen und unglücklich aussahen. Wieso das so war, kann ich nur ahnen. Aber ich weiß, dass ich nicht einen Tag schlecht gelaunt war. Wie ist das möglich?

Naja, man kann sich nur sehr schwer selbst auf den Keks gehen, wenn man kein Gegenüber hat. Denn wenn ich etwas wollte, oder nicht wollte, habe ich es eben getan oder gelassen.

Wenn du aber mit jemand anderem im Urlaub bist, sind Kompromisse unumgänglich und je nachdem, wie man zu diesen dann steht, kann auch mal schlechte Stimmung aufkommen.

All diese Erfahrungen sind es, warum ich so unfassbar glücklich, dankbar und froh bin, diese Reise gemacht zu haben. Und es wird definitiv nicht meine letzte gewesen sein.

Also trau dich und reise allein!

Wie stehst du zum Thema ´allein reisen´. Bis du bereits allein gereist oder hast es noch vor? Schreib mir gern deine Meinung und Erfahrung in die Kommentare.